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Begriffe aus dem Bereich der Wertermittlung

Bodenrichtwert

Der Bodenrichtwert ist im deutschen Städtebaurecht ein durchschnittlicher Lagewert, ermittelt aus den Kaufpreisen von Grundstücken unter Berücksichtigung ihres Entwicklungszustandes. Der Bodenrichtwert für Bauland wird, abhängig von den Rechtsvorschriften in den einzelnen Bundesländern, mindestens alle zwei Jahre zu einem festen Stichtag (in der Regel zum 31. Dezember bzw. 1. Januar) ermittelt. Er ist sehr bedeutsam für die Besteuerung von Grund und Boden in Deutschland. Bodenrichtwerte werden im Rahmen der Wertermittlung von Immobilien hilfsweise herangezogen, um den Bodenwert zu bestimmen, wenn er sich nicht im Vergleichswertverfahren aus Kaufpreisen ermitteln lässt. Grundlage dafür sind die amtlichen Kaufpreissammlungen, die von den Gutachterausschüssen geführt werden.

Da der Bodenrichtwert nur ein Durchschnittswert aus einer Vielzahl von Transaktionen ist, muss der Verkehrswert eines einzelnen Grundstückes anhand der Besonderheiten des Bewertungsobjektes geschätzt werden. Es ist von großer Bedeutung den Bodenwert eines Grundstücks mittels sachverständiger Anpassung vom Bodenrichtwert abzuleiten. Die Zu- und Abschläge vom Bodenrichtwert können durchaus erhebliche Wertabweichungen erzeugen.

Liegenschaftszinssatz

Der Liegenschaftszinssatz wird zur Ermittlung des Verkehrswertes von Immobilien herangezogen. Der Liegenschaftszinssatz ist gemäß § 11 Abs. 1 Wertermittlungsverordnung (WertV) definiert als "Zinssatz", mit dem der Verkehrswert von Liegenschaften im Durchschnitt marktüblich verzinst wird."

Gemäß § 11 Abs. 2 WertV ist der Liegenschaftszinssatz "auf der Grundlage geeigneter Kaufpreise und der ihnen entsprechenden Reinerträge für gleichartige bebaute und genutzte Grundstücke unter Berücksichtigung der Restnutzungsdauer der Gebäude nach den Grundsätzen des Ertragswertverfahrens zu ermitteln". Es ist daher umstritten, ob der Liegenschaftszinssatz tatsächlich eine eigenständige Bedeutung hat oder vorrangig nur eine Rechengröße im Ertragswertmodell der WertV darstellt, der durch Umkehrung des für das Ertragswertverfahren vorgeschriebenen Rechengangs aus Kaufpreisen zu ermitteln ist. Die sachgemäße Verwendung der objektartspezifisch abgeleiteten Liegenschaftszinssätze bewirkt vorrangig den Marktbezug im Ertragswertverfahren.

Normalherstellungskosten

Normalherstellungskosten (NHK) oder gewöhnliche Herstellungskosten werden zur Ermittlung des Sachwertes eines Gebäudes benötigt. Die gewöhnlichen Herstellungskosten können im Normalfall aus den Projektunterlagen entnommen werden. Sind diese Herstellungskosten nicht mehr bekannt, müssen die historischen Normalherstellungskosten ermittelt werden. Zur Ermittlung dieser historisch angefallenen Herstellungskosten (§ 21 Abs. 4 WertV) gibt es Baukostentabellen. Diese geben die durchschnittlichen Baukosten (Normalherstellungskosten) an, die für einen bestimmten Gebäudetyp pro m² Fläche anzusetzen sind. Durchgesetzt haben sich mittlerweile die Normalherstellungskosten 1995 (NHK 95), die zwischenzeitlich durch die Normalherstellungskosten 2000 (NHK 2000) ersetzt wurden. Gegenüber den NHK 95 wurden einige Gebäudetypen neu aufgenommen, die DM-Werte durch €-Werte ersetzt, und der Umsatzsteuersatz von 15 % auf 16 % angepasst.

Der aktuelle Mehrwertsteuersatz von 19 % wird im weiteren Verfahren durch den Baupreisindex berücksichtigt. Außerdem wurde als Bezugsgrundlage weitgehend auf die Brutto-Grundfläche nach DIN 277 (1987) abgestellt. Die aktuelle Fassung NHK 2000 ist den Richtlinien für die Ermittlung der Verkehrswerte (Marktwerte) von Grundstücken (Wertermittlungsrichtlinie) beigefügt (Anlage 7 zur WertR 2006), in ihr wird auf die noch in den NHK 95 aufgeführten Korrekturfaktoren für Bundesländer und Ortsgröße verzichtet.

Stand der Sachwertfaktoren im NHK 2010-Modell

Rund zwei Jahre nach Inkrafttreten der Sachwertrichtlinie (SW-RL) stehen für rd. 42 % der Bundesfläche von den Gutachterausschüssen Sachwertfaktoren im Modell der NHK 2010 zur Verfügung. Während in den Bundesländern Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits alle Gutachterausschüsse ihre Auswertungen auf das neue Modell umgestellt haben, ist es in Nordrhein-Westfalen ein weit überwiegender Teil. Eher dürftig sieht die Lage in den anderen Flächenländern aus: Hier sind veröffentlichte Sachwertfaktoren im Modell der NHK 2010 noch Mangelware. Zur Steuerung einer einheitlichen Vorgehensweise der Gutachterausschüsse bei der Datenauswertung enthält die SW-RL ein Modell für die Ableitung der Sachwertfaktoren. Dies soll auch zur Vergleichbarkeit der Sachwertfaktoren in benachbarten Regionen beitragen. Doch die Anwendung der SW-RL ist nicht verbindlich.

Wertermittlungsverordnung

Die Wertermittlungsverordnung (WertV) regelte in Deutschland allgemeine Grundsätze für die Ermittlung von Verkehrswerten bei Immobilien. Die WertV regelte damit die Auslegung der Verkehrswertdefinition in § 194 BauGB. Die Gutachterausschüsse müssen die WertV verbindlich anwenden. Die letzte Fassung der WertV wurde am 6. Dezember 1988 erlassen und zuletzt am 18. August 1997 geändert. Zur Unterscheidung von früheren Versionen der WertV spricht man daher auch von der WertV 98. Die in der WertV geregelten Wertermittlungsverfahren nennt man auch normierte Verfahren: Vergleichswertverfahren nach § 13 bis 14 WertV Ertragswertverfahren nach § 15 bis 20 WertV Sachwertverfahren nach § 21 bis 25 WertV. In Ergänzung zur Wertermittlungsverordnung sind Wertermittlungsrichtlinien ( wenn man auf Wertermittlungsrichtlinien klickt; sollte am auf die Position 8 der Startseite kommen, wo man auch hinkommt wenn man auf der Startseite direkt anklickt.) erlassen worden.

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren dient der Ermittlung des Wertes von Renditeobjekten durch Kapitalisierung der Netto-Erträge, die mit diesen Objekten voraussichtlich erwirtschaftet werden (Ertragswert = Barwert der zukünftigen Überschüsse aus Ertrag und Aufwand bzw. Einzahlungen und Auszahlungen). Es wird insbesondere bei der Bewertung eines Unternehmens oder eines vermieteten bzw. verpachteten Grundstückes angewendet.

Vergleichswertverfahren

Das Vergleichswertverfahren ist ein Verfahren zur Wertermittlung von Immobilien (§ 13 Wertermittlungsverordnung -WertV). Nach diesem Verfahren wird der Marktwert eines Grundstücks aus tatsächlich realisierten Kaufpreisen von anderen Grundstücken abgeleitet, die in Lage, Nutzung, Bodenbeschaffenheit, Zuschnitt und sonstiger Beschaffenheit hinreichend mit dem zu vergleichenden Grundstück übereinstimmen. Der optimale Fall ist der direkte Vergleich: Ein benachbartes Grundstück gleichartiger Lage, Größe, Nutzung usw. wurde gestern zu Marktpreisen verkauft. Dieser Fall ist jedoch in der Praxis eher die Ausnahme. Meist wird daher im Regelfall das indirekte Vergleichwertverfahren verwendet.

Liegenschaftskataster

In Deutschland dient das Liegenschaftskataster neben dem Grundbuch als weitere öffentliche Einrichtung zum Nachweis des Grund und Bodens. Das Kataster weist auf der Grundlage von Vermessungen die Einteilung des Grund und Bodens in Flurstücke nach und gibt über deren tatsächliche Verhältnisse (Lage, Größe, Nutzungsart usw.) Aufschluss. Das Grundbuch ergänzt den Grundstücksnachweis hinsichtlich der auf den Grundstücken ruhenden Rechte wie z.B. Eigentum, Dienstbarkeiten oder Hypotheken, wobei es sich in der Bezeichnung und Beschreibung der Grundstücke auf die Angaben des Liegenschaftskatasters stützt. Beide Einrichtungen zusammen ergeben einen vollständigen Nachweis über die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse von Grund und Boden. Das Liegenschaftskataster hat die Aufgabe, die Liegenschaften zu beschreiben und in Karten darzustellen, wobei unter Liegenschaften im Sinne des Gesetzes über das Vermessungswesen, Grundstücke und Gebäude verstanden werden. Ein Grundstück besteht aus mindestens einem Flurstück. Das Flurstück ist als geometrisch eindeutig begrenzter Teil der Erdoberfläche die kleinste Buchungseinheit des Katasters. In letzter Zeit nimmt die Bedeutung des Liegenschaftskatasters als Grundlage für grundstücks-, boden- und raumbezogene Informationssysteme zu. Schon bald nach dem Beginn der Automatisierung wurde die Funktion des automatisierten Liegenschaftskatasters als Basis eines Geoinformationssystems erkannt und darauf aufbauend eine Vielzahl neuer Verwendungsmöglichkeiten für andere Stellen eröffnet.

Beleihungswert

Der Beleihungswert ist nach §12 des Hypothekenbankgesetzes ein Wert, der den Verkaufswert nicht übersteigen darf und bei dem nur die dauernden Eigenschaften des Grundstücks und der Ertrag berücksichtigt werden dürfen, welches das Grundstück bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung nachhaltig gewähren. Den Beleihungswert stellt ein Sachverständiger fest. Die Höhe beträgt in der Regel 70% bis 90% des Preises, der für ein Objekt zu erzielen ist. Als Sicherheit für die Vergabe eines Darlehens für den Kauf oder Bau von Immobilien dient das zu finanzierende Grundstück selbst. Die maximale Kredithöhe richtet sich nach dem Beleihungswert und der Beleihungsgrenze des Objekts. Der Beleihungswert ist Ausgangswert für die Beleihungsgrenze. Um die Forderung des Gläubigers dinglich abzusichern, wird das zu beleihende Objekt mit einer Grundschuld belastet. Darlehen von Realkreditinstituten, die die Beleihungsgrenze überschreiten, sind keine Realkredite, sondern gedeckte Personenkredite.

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